Berlinale Kritik

"On Body and Soul" und "T2 Trainspotting"

radioeins-Filmkritiker Stephan Karkowsky über die Wettbewerbsfilme "On Body and Soul" und "T2 Trainspotting"...

Inhalt: "On Body and Soul" (Wettbewerb)

Ein Schlachthaus in Budapest wird zum Schauplatz einer seltsam schönen Liebesgeschichte. Mária tritt eine Stelle als Qualitätsprüferin an und sofort wird getuschelt: Beim Mittagessen wählt die junge Frau in der kargen Kantine stets den Tisch, an dem niemand sitzt, und schweigt in sich hinein. Bei der Arbeit ist sie streng, hält sich strikt an die Vorschriften, jedes Gramm Fett zu viel wird mit Punktabzug geahndet. Ohnehin scheint ihre Welt aus Zahlen und Daten zu bestehen, die sich seit frühester Kindheit in ihr Gedächtnis einbrennen.

Auch der etwas ältere Endre, ihr Vorgesetzter, ist eine eher verschlossene Persönlichkeit. Zaghaft gehen sie aufeinander zu, erkennen ihre Seelenverwandtschaft und stellen verwundert fest, dass sie nachts die gleichen Träume haben. Vorsichtig versuchen sie, diese in die Wirklichkeit zu überführen. Zärtlich, aber auch mit hintergründigem Humor erzählt Ildikó Enyedi von der Begegnung zweier Menschen, die zunächst jeder für sich und dann miteinander die Welt der Gefühle und des körperlichen Begehrens entdecken. Es geht um die Schwierigkeit und die Angst, sich zu öffnen; um das Glücksgefühl, wenn man sich schließlich auf einen anderen Menschen einlässt.

(Quelle: berlinale.de)

Inhalt: "T2 Trainspotting" (Wettbewerb - außer Konkurrenz)

Hat Renton wirklich eine Familie gegründet, ein Auto und eine Waschmaschine gekauft, wie er es am Ende von Danny Boyles erfolgreichem Kultfilm angekündigt hatte? Oder hat er die 16.000 britischen Pfund aus dem Heroin-Deal, um die er seine Freunde betrogen hat, ganz anders durchgebracht? Fragen, die sich auch 20 Jahre später noch stellen, für deren Beantwortung aber kaum Zeit ist: Renton kehrt an den Ort zurück, der einmal sein Zuhause war, und schon überschlagen sich die Ereignisse.

Auf den ersten Blick mag sich vieles in Edinburgh verändert haben, doch für die Freunde von einst blieb auch einiges beim Alten. Jedenfalls scheinen sie nur auf Renton gewartet zu haben. So empfängt der Zyniker Sick Boy ihn mit einem Schlag ins Gesicht, der gerade aus dem Gefängnis entlassene und immer noch agile Begbie läuft beim Wiedersehen Amok, und den ewigen Träumer Spud muss Renton einmal mehr vor dem endgültigen Absturz retten.

In derselben Besetzung – auch der Soundtrack spielt eine tragende Rolle – und mit ungebrochenem Tempo stürzt sich die Truppe in die Abgründe des Zuhälter- und Prostituiertenmilieus. Mitten im Chaos sucht Renton weiterhin nach dem Sinn des Lebens.

(Quelle: berlinale.de)