Sa29.07.
23:00 - 01:00

Die Lange Amiga Nacht - Der Sound der DDR

Die Anderen

mit Marion Brasch

Es gab sie, die musikalischen Türöffner und Grenzgänger im Amiga-Programm. Mal waren die Türen nur einen Spaltbreit offen, dann war plötzlich einiges möglich. Ab 1988 erschienen ausdrücklich „den anderen“ vorbehaltene Tonträger, auf denen Feeling B oder Hard Pop zu hören waren. Als das Ende der DDR nahte, kamen Langspielplatten von Sandow oder AG Geige hinzu. Mit Kai-Uwe Kohlschmidt (Sandow) und Jan Kummer (AG Geige) spricht Marion Brasch über ihre Grenzgänger-Momente, ob sie ihren Sound als Widerstand emfpanden und wie es weiter ging, als die DDR unterging. An der Seite von Marion Brasch: rbb-Mitarbeiter Lutz Schramm, Vater der DT64-Sendung Parocktikum und Wegbereiter und Produzent von „anderen“ Bands.

v.l.n.r.: Marion Brasch, Kai-Uwe Kohlschmidt (Sandow), Jan Kummer (AG Geige) und Lutz Schramm (Vater der DT64-Sendung Parocktikum) © radioeins/Saupe

 

Als das Plattenlabel Amiga 1947 in der sowjetisch besetzten Zone unter dem Namen "Lied der Zeit" gegründet wurde, war alles knapp, auch der zerbrechliche Rohstoff Schellack. Über 40 Jahre lang brachte die älteste deutsche Plattenfirma ihre Lieder dann vor allem auf Vinyl heraus. Das Monopollabel der DDR veröffentlichte über 30.000 Titel   auf 2.000 Alben und 5.000 Singles. Zu den ersten Veröffentlichungen zählten Songs und Lieder von Bully Buhlan, Ernst Busch und Herbert Roth. Jazz, Swing und Schlager prägten die ersten Jahre, dann kamen Chansons und Folklore, später die Liedermacher und vor allem die Beatmusik dazu und schließlich das ganze Rock- und Popmusik-Repertoire.

Amiga war der Sound der DDR, war, wie alle Kunstproduktionen, ideologisch geprägt in seiner Ausrichtung, Verhinderer von Musik, aber auch immer wieder durchlässig, plötzlich offen für Neues. Und das Plattenlabel war ein Wirtschaftsfaktor in der DDR. 100 Millionen Mark führte der VEB Deutsche Schallplatten jährlich an den Kulturhaushalt ab und subventionierte damit Theater, Verlage und Museen in der DDR.

Neben Künstlern der DDR verlegte Amiga auch heiß begehrte Lizenzware aus dem Westen, etwa von den Beatles, Bob Dylan oder Roger Whitaker. 1993 wurden die Rechte am Amiga-Katalog von BMG Deutschland erworben und seit 2005 ist Amiga ein Label der Sony Music Entertainment.

Die Sendung zum Nachhören:

radioeins/Saupe

   

Stationen einer Sucht von Sandow
© Stationen einer Sucht von Sandow