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778 Popsplits verfügbar

Die Popsplits sind auch als CD und als Buch im Handel bzw. im radioeins Shop » erhältlich. Das Buch bietet eine Auswahl der besten Geschichten mit zahlreichen Zusatzinfos und einem Vorwort von radioeins Musik-Papst Peter Radszuhn.

Das Angebot "Popsplits" ist ein Archiv im Sinne von §11d Abs. 2 Nr. Rundfunkstaatsvertrag

(© Die Popsplits sind urheberrechtlich geschützt. Wir freuen uns über das große Interesse an den Texten, weisen jedoch aus gegebenen Anlass darauf hin, dass jede kommerzielle Nutzung der Rücksprache mit radioeins - musik[at]radioeins.de » - bedarf!)

Born To Run -

Album: Born To Run (1975)

Es ist ein kleines Apartment, dass sich Bruce Springsteen an der Manhattan East Side mit seiner Freundin Karen Darvin teilt. Zwar gilt Springsteen 1974 bereits als Sensation in den Clubs an der Ostküste, seine ersten zwei Alben verkauften sich jedoch nur mäßig. Er ist daher meistens auf Konzerten, während die aus Texas stammende Karen allein in der New Yorker Wohnung sitzt und vor Heimweh am liebsten alles hinschmeißen möchte. Auch Bruce fühlt sich in New York nicht Zuhause. Aus diesem Gefühl, noch nicht wirklich angekommen zu sein, entwickelt Springsteen einen in eine epische Geschichte verpackten Song.

Im Mai 1974 spielt Springsteen das Lied erstmals live. Im Publikum sitzt an diesem Abend der einflussreiche Musikkritiker Jon Landau, der über diesen Auftritt schreibt: ‚Heute Abend habe ich die Zukunft des Rock'n'Roll gesehen.’ Landau und Springsteen verstehen sich so gut, dass Landau nicht nur Springsteens Manager wird, sondern auch Co-Produzent von Springsteens neuem Album. Bereits seit acht Monaten arbeitet Springsteen daran. Das Album soll ihm den endgültigen Durchbruch bringen.

Es dauert weitere 4 Monate, bis das Album fertig wird. Doch die Mühe lohnt sich, das Album macht Springsteen zum weltweit gefeierten Superstar. Titeltrack und erste Singleauskopplung ist der Song über sein Lebensgefühl in New York. Ein Song über das Gefühl noch nicht am richtigen Ort angekommen zu sein, aber zu wissen, dass es irgendwo diesen Ort geben müsse: ‚Born To Run’.

Bridge Over Troubled Water - Simon & Garfunkel

Album: Bridge Over Troubled Water (1970)

Das Haus in den Hollywood Hills scheint eine besondere Inspirationsquelle für Musiker zu sein. Im August 1967 schreibt George Harrison hier einen Hit, der nach der Straße benannt ist, in dem die Musikervilla steht. Als der Beatle später zum Meditieren nach Indien verschwindet, mietet Paul Simon das Haus am ‚Blue Jay Way’, um sich kosmisch inspirieren zu lassen.

Paul wird von seiner Freundin Peggy Harper begleitet, die im Sommer des Jahres 1969 ein ernsthaftes Problem hat: Auf ihrem Kopf sprießen die ersten grauen Haare – für Frau und Mann gleichermaßen ein untrügliches Anzeichen, dass die Jugend für immer vorbei ist. Paul weiß nicht wirklich, wie er Peggy trösten kann. Schließlich wird jeder Mensch älter, und auch auf seinem eigenen 28-jährigen Kopf sind bereits die ersten kahlen Stellen zu entdecken.

Inspiriert von dem alten Gospel-Song ‚Oh, Mary don’t you weep for me’ der ‚Swan Silvertones’ schreibt er gerade an einem Song über Liebe und Freundschaft. Und damit seine spätere Frau Peggy nicht zu traurig über ein paar graue Strähnen ist, porträtiert er sie in einer Strophe als sein ‚Silvergirl’, dem er eine Brücke sein möchte. Auch mit eisgrauen Haaren wird er Peggy noch mögen wie am ersten Tag, glaubt Paul. Der Song, gesungen von Art Garfunkel, wird tatsächlich Generationen von grauen Haarschöpfen überleben – die Ehe von Paul und Peggy wird dagegen 1975 geschieden: "Bridge Over Troubled Water"

Brown Eyed Girl - Van Morrison

Album: Blowin’ Your Mind (1967)

Das ewige Einmischen der Plattenfirma in seine künstlerische Freiheit reicht dem exzentrischen Nord-Iren 1966. Nach dem Ende einer Tournee durch die USA verlässt der 21-jährige Van genervt seine Band ‚Them’, um sein Glück auf eigene Faust zu versuchen. Geholfen wird ihm dabei von Produzent Bert Berns. Berns hat gerade sein eigenes Plattenlabel ‚Bang Records’ in New York gegründet. Van vertraut Berns. Er kennt den Produzenten seit ein paar Jahren und glaubt bei ‚Bang Records’ eine künstlerische Heimat ohne kommerziellen Druck zu haben.

Am 28. März 1967 spielt er in New York die ersten neuen Songs für Berns’ Label ein. Darunter ist auch eine Calypso-Nummer, deren Inspiration auf Lewis Carrolls Novelle ‚Sylvie & Bruno’ zurückgeht. Ursprünglich ist in dem Song von der Liebe zu einer dunkelhäutigen Schönheit die Rede. Später wird daraus allerdings nur noch eine Frau mit braunen Augen. Bang-Chef Bert Berns ist mit dem poporientierten Song hochzufrieden. Doch Van Morrison hat Angst, dass er in Zukunft damit auf hittaugliche Nummern festgelegt werden könnte.

Der Streit zwischen Musiker und Plattenboss endet im Dezember 1967 dramatisch. Bert Berns erleidet einen tödlichen Herzinfarkt. Seine Witwe Ilene macht Van Morrison für den Tod ihres Mannes verantwortlich. Wo und wann immer sie kann, legt die Witwe Morrison Steine in den Weg. Sie lässt ihn nicht mehr ins Studio, verhindert mit ihrem Einfluss Auftritte und schickt ihm sogar die Einwanderungsbehörde auf den Hals. Als Morrison endlich bei Warner Brothers unterkommt, muss er sich zahlreiche Auflagen gefallen lassen, um aus dem Vertrag mit Bang Records rauszukommen. An seiner ursprünglich ‚Brown-Skinned Girl’ genannte Nummer, verdient Bang Records jedoch auch später noch mit, weshalb Van Morrison den Song auf Konzerten nur höchst ungern spielt: ‚Brown Eyed Girl’.

California Über Alles - Dead Kennedys

Album: Fresh Fruit For Rotting Vegetables (1979)

Eric Boucher hat so seine Probleme mit dem konservativen Geist, der sich Ende der 70er Jahre im Hippie-Staat Kalifornien einnistet. Vor allem der spröde Gouverneur Jerry Brown ist Boucher ein Dorn im Auge. Nach Ansicht des jungen Musikers aus Colorado trägt Browns erzkonservative Politik unverkennbar faschistoide Züge. Boucher ist klar, dass er alleine wenig gegen Brown ausrichten kann.

Doch zumindest seine sonnige Wahlheimat San Francisco will er vor dem dunklen Schattenreich des kalifornischen Gouverneurs bewahren. Als 1979 ein neuer Bürgermeister gewählt werden soll, bewirbt sich Boucher unter seinem Künstlernamen ‚Jello Biafra’ als einer von zehn Kandidaten für den Posten. Sein Wahlprogramm ist ebenso endrucksvoll wie skurril: Biafra will die Innenstadt autofrei machen, Hausbesetzungen legalisieren und Banker dazu zwingen, im Clownskostüm zur Arbeit zu erscheinen.

Rund 6000 wahlberechtigte Einwohner von San Francisco können sich mit Biafras Plänen identifizieren. Der Jungmusiker landet bei der Bürgermeisterwahl auf einem respektablen vierten Platz. Aufatmen kann sein Erzfeind, Gouverneur Jerry Brown, deshalb aber noch lange nicht. Für ihn hat Jello Biafra extra einen kleinen Song aufgenommen. Mit seinen ‚Dead Kennedys’ überspitzt er Browns konservative Politik zu einer musikalischen Science-Fiction-Vision eines totalitär-faschistoiden Regimes: ‚California Über Alles’.

Carbonara - Spliff

Album: 85 555 (1982)

Im Herbst 1981 werkeln Reinhold Heil, Bernhard Poschka, Herwig Mitteregger und Manfred Preaker in ihrem Tonstudio in Berlin-Moabit an neuen Aufnahmen. Ihr größtes Problem besteht darin, dass sie kein "Frontschwein" mehr haben, so der Bandjargon für Sänger. Nach ihren Erfahrungen mit der genial-abgedrehten Nina Hagen wollen sie auch so recht keinen festen Vorturner mehr in die Band aufnehmen.

Da die Studiotechnik teuer und das Geld knapp ist, besuchen sie fast täglich ein preiswertes italienisches Restaurant um die Ecke, das von einem Libanesen geführt wird. Hier werden neue Ideen besprochen und geblödelt. Reinhold Heil hat die Musik für einen neuen Titel fertig und mit "Heiße Würstchen und ‚ne Coca Cola" auch eine zumindest rhythmisch stimmige Refrainzeile. Für den Text der Strophen bedienen sie sich nun der italienischen Speisekarte und ergänzen das Ganze mit hängen gebliebenen Brocken aus dem Lateinunterricht sowie Fragmenten eines Italien-Reiseführers.

Da ein neuer Sänger immer noch nicht in Sicht ist, beschließen die vier, ihre Lieder selbst zu singen. So steht Heil am Mikrofon und besingt die Segnungen der italienischen Küche. Die "heißen Würstchen" mussten im Refrain einem passenden italienischen Nudelgericht weichen. Die Coca-Cola jedoch passt auch gut zu Nudeln und so bleibt sie im Refrain. Im heißen Sommer 1982 kommt kaum jemand in Deutschland an dem Pasta-Song von "Spliff" vorbei. Coca-Cola freut sich über die kostenlose Werbung und so müssen Spliff die Colas, die ihnen ihre Lieblingskellnerin Khadra beim Italiener um die Ecke serviert, weiterhin selbst bezahlen: "Carbonara".