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BücherUnsympath

Unsympath von Robin Felder (Cover)

Favorit Drucksache vom 12. März 2010

Robin Felder: Unsympath. Edel Verlag. 17,95 €

Peter Weidner leidet unter einer schlimmen Allergie: einer Menschenallergie. Dem 33-jährigen gehen alle auf die Nerven: die dummen Popsternchen, für die er Songs schreibt und produziert, die Frauen, die er nach ein paar mal Sex abblitzen lässt und die Menschheit im allgemeinen. Nach außen wahrt er die höfliche Fassade, innerlich aber zerreißt es ihn. Peter Weidner ist durch und durch ein Unsympath.

„Unsympath“ heißt auch der Debütroman von Robin Felder. In seiner Romanfigur Weidner tickt eine Bombe. Ihn nerven Floskeln und wenn er bei seinen unzähligen Dates Frauen trifft, die nicht gerade intelligent sind, dann erträgt er ihr Geplapper nur, weil er ein Ziel vor Augen hat: sie ins Bett zu kriegen. Wobei ihm der Sex noch nicht einmal das wichtigste ist: befriedigt ist er erst, wenn sich die Frauen in ihn verlieben und er sie dann nach ein paar Treffen fallen lassen kann. Am liebsten würde er ihnen noch den Hals umdrehen. Allerdings hasst er sich selbst mindestens genauso wie seine Mitmenschen.

Felder kritisiert die Oberflächlichkeit in unserer Gesellschaft, an der dieser Mann verzweifelt und dabei zunehmend seine freundliche Fassade verliert. Das Schöne ist: Felder schlägt nicht nur mit markigen Worten auf das belanglose Gebrabbel und Getue ein, er hat oft sehr intelligent Gedanken. Z.B. wenn Weidner nach einem Gespräch mit einer etwas einfach gestrickten Arzthelferin feststellt: „Hat man es mit geistiger Schlichtheit zu tun, muss man sich ausnahmslos anpassen. Das Niveaugefälle kann nur abwärts ausgeglichen werden. Nie umgekehrt.“ Das klingt arrogant und selbstgefällig, aber in vielen Punkten hat Felder recht und trifft es sehr genau.

Das Buch ist etwas zu lang geraten, irgendwann dreht es sich im Kreis – aber das ist das einzige Manko. Felder schreibt in kurzen Sätzen, versucht selbst Floskeln zu vermeiden und wenn sich doch mal eine einschleicht, dann entschuldigt er sich. In vielen Lesern dürften Teile eines solchen Unsympathen stecken und Felder lässt ihm freien Lauf. Intelligent, böse und witzig.
Boris Kullick